18. Januar 2013

Lass die Sonne rein!

Puuuuuh, ganz schoen heiss hier. Und das meine ich nicht, um euch zu aergern. Mit knapp 30 Grad muss man erst mal fertig werden, wenn aus dem Minusbereich kommt. Aber der Reihe nach.

Ich bin am Mittwoch angekommen, nachdem ich die letzten Stunden mit viel Aufregung daheim verbracht habe. Alles dabei? Was, wenn da unten etwas passiert? Daheim alles sicher verstaut und hinterlassen? ... Der Flug war ok, haette besser sein koennen. Im Hostel angekommen dann eine grosse Ueberraschung. Von den drei Gaestezimmern mit insgesamt 9 (!) Schlafmoeglichkeiten war - ihr ahnt es - kein einziges belegt. Ich hatte eigentlich die Absicht, mich mit ein paar anderen in der Stadt zu tummeln oder zumindest mal auf ein Bier raus zu gehen. Immerhin wohne ich in dem Kneipen- und Ausgeh-Viertel der Innenstadt! Man koennte sagen, das lief bis dahin nicht so ideal.

Weit gefehlt, wenn man andere Details betrachtet: Schon am Flughafen habe ich die quirlige, supernette Evelyn getroffen. Sie ist Fremdenfuehrerin hier und lebt seit 40 Jahren in Kapstadt. Ihre Art war zum Bruellen komisch, warum genau kann ich gar nicht sagen. Vielleicht liegt es aber auch an ihrem breiten Deutsch-Afrikaans-Slang. Afrikaans ist eine der vielen Sprachen, die man hier an jeder Ecke aufschnappt. Es ist eine Mixtur aus niederlaendisch, franzoesisch, englisch, deutsch, portugiesisch, malayisch und weiteren Einfluessen aus dem Afrikanischen - eben allen Sprachen der ehemaligen Kolonialmaechte, den Ureinwohnern und damaligen Sklaven. Das macht Evelyns deutsch zu einem Erlebnis.

Ach ja: Ich wollte eine SIM-Karte kaufen und bin dazu an einen der vielen Strassen-Buedchen gelandet. Dort war ich nicht richtig, der Besitzer hatte keine SIM parat. Da ich auch nach einer Wegbeschreibung nicht in den richtigen Laden abgebogen bin, kam mir der Verkaeufer aus dem Buedchen hinterher und hat mich hin gebracht. Dann hat er 20 Rand (keine 2 Euro, aber fuer den Durschschnittverdiener durchaus Geld, fuer das er eine Weile arbeiten muss) fuer die SIM-Karte hingelegt und ging. Ich habe mich spaeter noch bei ihm an seinem Buedchen bedankt und wollte ihm das Geld geben. Aber er hat abgelehnt. Er wollte auch sonst nichts dafuer haben. wir haben noch kurz gequatscht. Er war einfach nur unfassbar nett.

Und dann noch: Matt, der Besitzer des Hostels, in dem ich untergekommen bin. Er ist Gold wert, denn er organisiert Touren rund um Cape Town, raet aber gerne auch mal davon ab, wenn er eine bessere Alternative kennt. Auch wenn das heisst, dass ich eine Tour nicht ueber ihn buche, sondern in einem der Orte, die ich noch abklappern werden, bis ich in Port Elizabeth ankomme. Genau dasselbe Spiel beim W-Lan: 'Du kannst hier welches buchen. Kostet halt. Oder bei McDonalds, der ist ueber die Strasse. Dort ist es umsonst.' Ich mag ihn.

Ihr seht, es gibt immer eine Wendung, die das vermeintlich Graue farbig werden laesst. Und ja, es ist mal wieder bunt geworden in den ersten Tagen. Sogar eine Mitbewohnerin aus Kanada habe ich heute kurzfristig bekommen. Juchuuuu!

Kurz noch zu dem, was ich in den letzten Tagen sonst noch gesehen und erlebt habe:
- Ich habe an einem kap-malayschen Kochkurs teilgenommen und kann jetzt (hoffentlich) Huehnchen-Curry zubereiten.



- Ich war Teil einer gefuehrten Tour durch Bo-Kaap, dem wohl groessten islamisch gepraegten Viertel hier. Markenzeichen: Die bunt gestrichenen Haeuser. Sie sind traumhaft schoen.
- Ich war im '2 Oceans Museum', mich auf das Meer einstimmen und habe Cocktails am malerischen Strand von Bantry Bay geschluerft.
- Die Zugfahrt nach Simons Town war eines der Highlights. Die Schienen der Bahn verlaufen direkt am Meer und man kann hin und wieder feinen Spruehnebel der aufschaeumenden See auf der Haut spueren, wenn man die Hand raus streckt. Das war phaenomenal. Als Belohnung winkte der Besuch der Brutkolonien von knuffigen Pinguinen, die dort zu finden sind.



- Joggen am fruehen Morgen bei sicher schon knapp 20 Grad ist anstrengend. Ich habe im September mit dem Laufen angefangen, aber das eben nur bei den gewohnt frischen Temperaturen. Ob ich das nochmal mache, ueberlege ich mir gut. ;)

Was dieser Tage noch kommt:
- Eine Sightseeing-Tour in Kapstadt werde ich morgen abschliessen.
- Hoffentlich kann man morgen auf den Tafelberghoch - derzeit ist es extrem windig, daher ist die Seilbahn, die zum Berg fuehrt, ausser Betrieb.

Ich schicke euch allen ein wenig Suedsonne!

Bis bald,
Jasmin


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Der Countdown läuft

"La vida es corta pero una sonrisa sólo precisa un segundo." [altes kubanisches Sprichwort] Warum verrate ich euch Binsenweishe...